Während Frühzeit... (Signale 1984-S)

Der Wartburg-Rennwagen von 1899 mit 8-PS- „Mittelmotor"-Triebwerk

...und mittleren Jahren Eisenacher Automobilbaues

Zuweilen wird die am 22. Juli 1894 von einer französischen Zeitung veranstaltete „Wettfahrt für Wagen ohne Pferde" als das erste Automobilrennen bezeichnet.

Ein serienmäßiger Dixi-Sportwagen Typ R 8Das ist unzutreffend, denn bei jener Fernfahrt galt nicht Geschwindigkeit als entscheidender Gradmesser (wie dann bei dem wirklich ersten Rennen, das 1895 von Paris nach Bordeaux und zurück stattfand), sondern Gewinner sollte derjenige sein, „dessen Gefährt sich ohne Gefahr für Leib und Leben, leicht handlich und nicht zu teuer im Betrieb erweist". Diese für die weitere Entwicklung wahrhaft wegweisenden Ausschreibungsbedingungen erfüllten am besten zwei wenige Minuten hinter einem De-Dion-Dampffahrzeug in Rouen eingetroffenen Wagen mit Motoren „nach Système Daimler".

 

Diese Wettfahrt und ihr Ergebnis brachte für „Benzinkutschen" einen beträchtlichen Auftrieb. Wohl war das Automobil prinzipiell 1885/86 erfunden worden, aber erst der Wettbewerb Paris — Rouen verschaffte ihm Publikum und Ansehen, demonstrierte seine mögliche Überlegenheit im Vergleich mit damals noch dominierenden Dampfwagen und löste daraufhin erst, ausgehend von Frankreich, die industrielle Motorwagen-Herstellung aus.

Bei damaligen Prüfungsfahrten für Tourenwagen erwiesen sich Dixi-Automobile oft erfolgreich.Praktisch unter solcher Patenschaft stand auch der Automobilbau, den die Fahrzeugfabrik Eisenach bald nach ihrer Gründung im Jahre 1896 aus kapitalistischer Interessenlage heraus und mit kommerziellem Schwerpunkt aufnahm.

Die ersten Wartburg-Motorwagen standen mit ihrer Konstruktion, nach Lizenz der französischen Firma Decauville, ganz im Zeichen seinerzeitiger Automobil-Bauweise, der motorisierten Kutsche. Den Antrieb im Wartburgkutschierwagen Modell 1 besorgte ein hinten im Fahrgestell unter der Sitzbank angeordneter luftgekühlter Zweizylindermotor mit 3,5 PS Leistung aus 479 cm³ Hubraum.

 

Für die Wettbewerbskategorie der Voituretten, das heißt leichter Fahrzeuge, wurde 1899 der erste Wartburg-Rennwagen gebaut. Dabei befanden sich zwei miteinander gekoppelte „Zwillingsmotoren" in der Mitte des Wagens. Wenige Jahre später kursierte, gewissermaßen als Präambel zu den Automobilrennen, der Spruch, „der Rennwagen von heute ist der Gebrauchswagen von morgen". Wie zutreffend: Der nächste Wartburg-Rennwagen mit bereits 22 PS Leistung und Sieger u. a. im internationalen Automobilrennen bei Frankfurt/Main sowie noch ein weiterer, von dem sogar 80 PS angegeben wurden und der als erster und einziger deutscher Wagen am Ziel der Gordon-Bennett-Fernfahrt 1902 Paris — Wien ankam, wiesen schon Vierzylindermotoren auf, die nun vorn in einem Blattfeder-Chassis installiert waren.

 

Damit war die motorisierte Kutsche passé. Eine Bauweise, die heute als klassisches Standardkonzept bezeichnet wird, gelangte zum Durchbruch. Entsprechend dieser zunächst am Rennwagen verwirklich­ten Konstruktionsrichtung entstanden nun die Automobile aus Eisenach. Ab 1904 erschienen sie unter dem Markenzeichen Dixi.

„Wartburg"-Sportwagen Baujahr 1930 mit der Typen-Bezeichnung DA 3An den ab 1906 ausgetragenen Grand-Prix-Rennen war Dixi nie beteiligt. Dennoch wurden reine Geschwindigkeitswettbewerbe erfolg­reich bestritten. Allein 1907 erzielten Dixi-Rennwagen sechs Siege, sechs zweite und zwei dritte Plätze. Vor allem aber gelang es, in damaligen großen Tourenwagen-Wettbewerben die hervorragende Herstellungsgüte, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Dixi-Automobile zu beweisen. Ähnlich verhielt es sich nach dem ersten Weltkrieg, als mit den zwan­ziger Jahren im Grand-Prix-Rennsport die sogenannte Kompressor-Ära be­gann.

 

Sie führte zu immer größer werdender Entfremdung zwischen Rennwagen und dem Alltagsauto­mobil, das doch für weitere Käufer­kreise erschwinglich und demnach preiswert und wirtschaftlich sein sollte. Da lief bei Dixi 1927 die Fabrikation des 750-cm³-Typs DA 1 an, des zu jener Zeit wohl populär­sten deutschen Kleinwagens. Auf sei­ner Konstruktionsbasis und mit auf 18 PS gesteigerter Motorleistung wurde auch, nachdem Ende 1928 das Eisenacher Unternehmen in BMW-Besitz übergegangen war, der „Wart­burg"-Sportwagen hergestellt.

Ein 328er Coupé-Prototyp am Start zur Mille Miglia 1940Sportlichkeit wurde anschließend überhaupt charakteristisch für die Serienwagen aus Eisenach. Angefan­gen vom 1,2-Liter-Typ 303 entstanden Sechszylinder-Automobile. Ausgeprägtester Vertreter war schließlich der von 1937 bis 1939 in 462 Exem­plaren serienmäßig gebaute Sport­wagen 328. Sein in der VentiltriebStoßstangensteuerung modifizierter Zweiliter-Sechszylindermotor leistete 80 PS.

 

Die Automobilsport-Karriere des 328 als erfolgreichster und be­liebtester Sportwagen der Vorkiegsjahre begann mit dem Sieg im Eifelrennen auf dem Nürburgring und endete 1940 mit dem Gesamtsieg bei dem größten italienischen Straßen­rennen, der Mille Miglia.

 


Titelbild: Der Wartburg-Rennwagen von 1899 mit 8-PS- „Mittelmotor"-Triebwerk

Bild 1: Ein serienmäßiger Dixi-Sportwagen Typ R 8

Bild 2: Bei damaligen Prüfungsfahrten für Tourenwagen erwiesen sich Dixi-Automobile oft erfolgreich.

Bild 3: „Wartburg"-Sportwagen Baujahr 1930 mit der Typen-Bezeichnung DA 3

Bild 4: Ein 328er Coupé-Prototyp am Start zur Mille Miglia 1940